Vesperkirche ist offen für alle

© Barbara Waldvogel

Der Bitte der Ravensburger Organisatoren kam Bischof Frank Otfried July rasch nach: „Als ich für die Schirmherrschaft der Vesperkirche Ravensburg angefragt wurde, musste ich nicht lange überlegen. Ich habe gleich zugesagt.“ Friedemann Manz, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Ravensburg, und Gerd Gunßer, Leiter der Diakonischen Bezirksstelle, sowie Harald Dubyk von den Zieglerschen  freuen sich sehr über diese Zusage, zumal es in Baden-Württemberg noch über 30 weitere Vesperkirchen gibt. Die drei Mitglieder des Vorbereitungsteams hoffen durch diese prominente Schirmherrschaft auch auf einen spürbaren Werbeeffekt, damit auch 2017 die Finanzierung des Spendenprojekts gesichert ist. Rund 120 000 Euro benötigen die Organisatoren dafür. Der Bischof macht den Organisatoren Mut, mit der Vesperkirche auf dem richtigen Weg zu sein. „Ich finde es wichtig, dass es einen Ort gibt, wo alle Menschen sich willkommen fühlen“, betont July.

Das Schwerpunktthema der Ravensburger Vesperkirche 2017 ist „Freiheit durch Entschuldung“. Laut Statistischem Bundesamt sind in Deutschland über 16 Millionen Menschen  von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, nicht selten ganze  Familien mit ihren Kindern. Die Gründe dafür sind vielfältig:  Arbeitslosigkeit, Krankheit, ein zu geringes Einkommen, Trennung und Scheidung oder  gescheiterte Selbstständigkeit. Häufig steht am Ende die private Überschuldung. Der Weg raus aus der Schuldenfalle ist für viele schwer. Auch in Oberschwaben sind viele davon betroffen. Viele von ihnen finden in der Vesperkirche für drei Wochen einen Ort, an dem sie für 1,50 Euro eine warme Mahlzeit in einem beheizten Kirchenraum erhalten. Am 30. Januar wird es in der Vesperkirche eine Diskussionsrunde geben, in der Fachleute aus der Region zum Thema sprechen und die – nicht selten versteckte - Armut und deren Folgen in Oberschwaben beleuchten.

Bischof July sieht darin eine zentrale Botschaft, die von Vesperkirchen im Land ausgeht: „Auch und gerade die Benachteiligten unserer Gesellschaft, Menschen in Arbeitslosigkeit, Harz IV-Empfängerinnen und Empfänger, Suchtkranke oder  Menschen mit psychischen Problemen finden in der Vesperkirche einen Ort, an den sie kommen können, so wie sie sind. Dort können sie Gemeinschaft mit anderen und Zuwendung an Leib und Seele erfahren.“ In Ravensburg begegnen sich in der Vesperkirche die unterschiedlichsten Menschen: arme und wohlhabende, einsame und sozial gut integrierte, alte und junge Menschen. So unterstützen diejenigen, die mehr für das Essen bezahlen können, direkt bedürftige Menschen.  

Am 24. Januar um 11 Uhr öffnet die Vesperkirche 2017 das erste Mal ihre Türen. An 20 Tagen werden dann wieder über 300 ehrenamtliche Helfer ihr Bestes geben. Und wieder haben sich Künstler aus der Region bereit erklärt, für die Vesperkirche aufzutreten und auf ihre Gage zu verzichten. Darunter Uli Boettcher, Barny Bitterwolf oder Wolfgang Engelberger und Siege Schock von MaulArt. Nur so ist es möglich, ohne Eintritt ein interessantes Kulturprogramm für alle Menschen zu bieten.  „Menschen, die in unserer Gesellschaft sonst häufig übersehen oder gar ausgegrenzt werden, sollen wenigstens in dieser begrenzten Zeit und an diesem einen Ort erleben, wie es sein kann, wahrgenommen zu werden und wie es sich anfühlt, wenn alle Grundbedürfnisse gestillt sind“, sagt Bischof July.

Wer die Vesperkirche Ravensburg  unterstützen möchte kann dies unter folgender Bankverbindung tun: Evangelische Bank eG, IBAN DE26 5206 0410 0000 5554 44, Stichwort Vesperkirche 2017. Mehr Informationen unter www.vesperkirche-ravensburg.de.