Pfarrplan 2024 steht im Mittelpunkt der Frühjahrssynode

© Barbara Waldvogel

Pfarrer Carsten Kraume stellte bei der Bezirkssynode in Kißlegg den Pfarrplan 2024 vor. Im Hintergrund Codekan Gottfried Claß. Als Werbeträger für das Reformationsjubiläum mit dabei die große Playmobil-Figur Martin Luther.

Frühjahrssynode in Kißlegg: Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dieter Krattenmacher und der Andacht von Ortspfarrer Jörg Scheerer („Eine Kirche wird es immer geben, in welcher Form auch immer“) gingen die knapp 100 Delegierten an die Arbeit. Solo Verbo – allein das Wort galt für den Reformator Luther. Im Tagungssaal war er als XXL-Playmobilfigur präsent, ein unmissverständlicher Hinweis auch darauf, dass heute kein Event mehr, nicht einmal ein Reformationsjubiläum, nur mit dem Wort auskommt. Langsam zeigte sich auch beeindruckt von den vielen Aktivitäten zum Reformationsjubiläum und von den zahlreichen neuen diakonischen und seelsorgerlichen Formaten, wie dem Secondhandshop  in Bad Wurzach, der Marktkirche in Tettnang und der Kirchenmusik zur Marktzeit in Weingarten. Dies alles zeuge vom Glauben mitten im Alltag der Menschen. Den Gemeinden solle auch nicht bange werden, wenn nun Pfarrstellen gestrichen würden. „Beieinander bleiben, miteinander aushalten und sich immer wieder anhauchen lassen vom Geist der Freiheit, den der Glauben schenkt. Nicht wir sind es, die die Kirche erhalten, sondern Christus selbst“, sagte er zuversichtlich.

Pfarrer Carsten Kraume vom Oberkirchenrat Stuttgart hob in seinen Ausführungen zum Pfarrplan 2024  vor allem auf das Zusammenwachsen der Gemeinden ab, das angesichts der demografischen Entwicklung das Gebot der Stunde sei: Die Anzahl der Gemeindeglieder sinkt nach Angaben der Personalstrukturplanung von jetzt 2 067 000 Mitglieder auf 1 662 000 im Jahr 2030. Das bedeutet einen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen. Zudem kommen die geburtenstarken Jahrgänge mit den entsprechend hohen Zahlen von Pfarrern und Pfarrerinnen ins Pensionsalter. Diese Welle wird n den 2020er-Jahren  ihren Höchststand erreichen. Das hat eine Zunahme der Vakaturen zur Folge, wobei die offenen Stellen laut Kraume nicht mehr einfach eins zu eins besetzt werden, da kommende Generationen diese nicht mehr finanzieren könnten.

Kraume versicherte aber, dass es für zukünftig reduzierte Pfarrstellen genügend Pfarrerinnen und Pfarrer gebe. Zum einen habe sich die Zahl der Theologiestudenten seit 2005 nahezu verdoppelt, außerdem werden von 2020 bis 2024 jährlich 15 Personen aus alternativen Zugängen in den Pfarrdienst aufgenommen. Hinzu kommen weitere finanzielle Mittel für die Besetzung von 15 Stellen bei den Sonderpfarrämtern durch Angehörige anderer Berufsgruppen. 15 Stellen für Pfarrer und Pfarrerinnen, die auch noch im Ruhestand weiterarbeiten möchten, werden ab 2019 geschaffen. Zur Entlastung der Pfarrerschaft sollen außerdem 55 Stellen für Religionspädagogen beziehungsweise Diakone stufenweise aufgebaut werden. Außerdem schüttet ein Strukturfonds 2018 und  2021 jeweils 15 Millionen Euro an die Kirchengemeinden aus. Mit diesen Geldern können zum Beispiel die Sekretariatsstunden aufgestockt werden.

Insgesamt sieht der Pfarrplan 2024 vorbehaltlich der Zustimmung der Landessynode insgesamt eine Pfarrstellenkürzung in der Landeskirche von 1391,75 auf 1207 Stellen  vor. Im Kirchenbezirk Ravensburg werden dann die Stellen von  41,75 auf 37,75 zurückgehen.  Um diese Eingriffe möglichst mit allen Beteiligten einvernehmlich zu gestalten, wurde 2014 ein Beteiligungsprozess der Kirchengemeinden ins Leben gerufen. Bei verschiedenen Treffen entstand ein Zukunftsbild  von „Kirche 2030“ und inzwischen wurden auch mögliche Szenarien bei Stellenstreichungen entwickelt. Wie der Pfarrplan im Bezirk letztendlich umgesetzt werden soll, erarbeitet eine Pfarrplansonderkommission bis zur Sondersynode im Herbst. Die Kommissionsmitglieder wurden bei der Synode gewählt.

Distrikt Allgäu: Barbara Berg, Kißlegg, Karin Kristen, Wangen, und Pfarrer Michael Mitt, Isny.

Distrikt Schussental: Dagmar Neuburger, Ravensburg, Hans-Christof Schäfer, Vogt, und Pfarrer Ralf Brennecke, Vogt.

Distrikt Seeregion: Susanne Wagner, Langenargen, Eva Krause, Friedrichshafen, und Pfarrerin Martina Kleinknecht-Wagner, Tettnang.

Vorgestellt hat sich in Kißlegg auch das neue Leitungsteam des Arbeitskreises Frauen (BAF), Pfarrer Volker Kühn lud zum Kamerunsonntag nach Ailingen am 2. April ein, Jugendreferent David Scherger informierte kurz aus dem Evangelischen Jugendwerk über Freizeiten und über die  Busfahrt zum Luther-Festival am 24. September auf dem Schlossplatz in Stuttgart, und Dekan Langsam berichtete vom Stand der Planung „Haus der kirchlichen Dienste“ in Ravensburg. Danach wird das Ravensburger Architekturbüro MLW jetzt einen  Erstentwurf erstellen.