Haushalt, Haus der kirchlichen Dienste, Diakonie

Die scheidende Bezirksrechnerin Bärbel Hartmann hat noch einmal den Haushaltsplan aufgestellt.

Als Synodale verabschiedet wurde Elisabeth Kugel, jetzt Bürgermeisterin in Meckenbeuren.

Von links: Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Dekan Dr. Friedrich Langsam, Friedemann Manz, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Ravensburg und Kurt König, 1. Vorsitzender der Bezirkssynode.

Dekan Dr. Gottfried Claß hat Lektor Hans-Jürgen Freiberg verabschiedet.

© bawa

Bezirksposaunenwartin Roswitha Scheck hat nach 25 Jahren ihr Amt niedergelegt.

Nach dem geistlichen Wort von Schuldekan Frank Eberhardt war die Spannung groß unter den knapp 100 Delegierten im Bonhoeffer-Gemeindehaus. Denn es ging um den Neubau des „Hauses der kirchlichen Dienste“, das in der Ravensburger Weinbergstraße allen bislang in der Stadt und in Weingarten verstreut untergebrachten Dienststellen des Evangelischen Kirchenbezirks barrierefrei zugängliche Büros verschaffen soll. Jürgen Winterkorn vom Ravensburger Architekturbüro mlw erläuterte die Pläne, die der Kirchenbezirksausschuss unter den fünf eingegangenen Vorschlägen ausgewählt hatte. Das mlw-Projekt ist rund 200 000 Euro günstiger ausgefallen, als der erste, vor einem Jahr vorgestellte Entwurf, sodass die vorgesehene Bausumme jetzt bei rund vier Millionen liegt. Bei der Kubatur hielten sich die Architekten an die bereits bestehenden Gebäude. Der Oberkirchenrat begrüßte ausdrücklich den Neubau als zukunftsfähig und hob die Barrierefreiheit sowie die Chance auf Nutzung von Synergieeffekten hervor. Finanziert wird das Vorhaben unter anderem durch den Verkauf der Einrichtung in Oberallewinden, die Auflösung der Unterhaltsrücklage Oberallewinden, allgemeine Baurücklagen, den Ausgleichsstockzuschuss und Mittel des Kirchenbezirks.
Wie es um die Finanzen bestellt ist, erläuterte noch einmal Bärbel Hartmann. Sie ist zwar am 1. September in den Kirchenbezirk Göppingen gewechselt, hat aber die Leitung der Verwaltungsstelle in Ravensburg kommissarisch weitergeführt, da der Posten bislang noch nicht besetzt werden konnte. Laut Haushaltsplan 2018 steigen die Steuerzuweisungen um rund vier Prozent. Zusammen mit einer einmaligen Sonderzulage von 139 407 Euro ergibt das rund 6, 627 Millionen Euro. Davon gehen rund 6,219 Millionen an die 24 Gemeinden des Kirchenbezirks. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. Als einmalige Sonderzuweisung wurde ein Betrag von zwei Euro pro Gemeindeglied festgesetzt. Außerdem bekommt noch jede Gemeinde als Zuschlag für die Substanzerhaltungsrücklage 2100 Euro überwiesen. Die Gemeinden wiederum müssen pro Gemeindemitglied zur Finanzierung von Bezirksaufgaben 25,31 Euro pro Gemeindemitglied an den Kirchenbezirk überweisen. Damit steigt die Bezirksumlage um sechs Prozent.  

Gast der Sitzung war der Stuttgarter Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg. Er stellte den „Aktionsplan Inklusion“ der Evangelischen Landeskirche vor. Dabei müssten Gemeinden und Einrichtungen keine vorgegebenen Ziele erfüllen, sondern es gehe darum, in kleinen Schritten aufzuspüren, was bereits geleistet worden ist und was noch verbessert werden kann, um allen Menschen das Zusammenleben in Kirche und Gesellschaft zu ermöglichen.

Der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Ravensburg, Friedemann Manz, berichtete, wie Inklusion im Kirchenbezirk bereits vielfältig umgesetzt wird. Er hob darauf ab, dass Inklusion nicht nur eine Frage der Hilfe, sondern vor allem auch der Haltung sei. Jeder Mensch sei irgendwann einmal hilfebedürftig, und jeder könne der Gemeinschaft etwas geben. So begreife er Kirche auch als Ermutigungsgemeinschaft.

Dazu passten dann auch seine Beispiele aus der Arbeit der verschiedenen diakonischen Dienststellen. Etwa das von der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB) in Friedrichshafen initiierte Projekt BISS. Die Abkürzung steht für „Arbeitsorientierte Beschäftigung mit integriertem suchtspezifischem Ansatz“. Was sich kompliziert liest, ist eine erfolgreiche Begleitung von Suchtkranken in die Arbeitswelt. In enger Kooperation mit dem Gemeindepsychiatrischen Zentrum und dem Jobcenter wird der Klient von einem PSB-Mitarbeiter intensiv betreut. Das Jobcenter wertete beim Start des Projekts eine Verweildauer von mehr als sechs Monaten bei 20 Prozent der Klienten als Erfolg. Tatsächlich liegt nach zwei Jahren die Quote stabil bei über 50 Prozent! Die diakonische Kirche zeige sich auch in  vielen weiteren Angeboten, so auch in der existenzsichernden Sozialberatung, die im Allgäu aufgebaut und in Wangen und Friedrichshafen aufgestockt wird. Die Mittel dazu stammen aus dem Innovationsfonds der Landeskirche.

Mit Blick auf die weltweite Kirche erinnerte Pfarrer Volker Kühn an die bedrückende Situation in Kamerun, wo der englischsprachige Teil immer mehr vom französisch sprechenden Norden unterdrückt wird. „Es reiche schon aus, zum anglophonen Teil der Bevölkerung zu gehören, um verfolgt zu werden“, schilderte er die Situation, von der auch die Mitglieder der Partnerkirche des Kirchenbezirks Ravensburg in Limbe betroffen sind. Am Partnerschaftsonntag, am 2. Advent, soll in Fürbitten der Brüder und Schwestern gedacht werden.
Verabschiedet wurde bei der Synode Roswitha Scheck, die ihr Amt als Bezirksposaunenwartin abgegeben hat. 1995 übernahm sie als eine der ersten Frauen in der Landeskirche diese Aufgabe, die sie zum einen immer als Jugendarbeit verstanden habe, aber gleichzeitig auch als musikalische Verkündigung, wie Dekan Langsam betonte. Workshops und Konzerte mit den Bläsern von opus 4 aus Leipzig und dem Landesposaunenwart Michael Püngel in ihrer Heimat-Kirchengemeinde Wälde-Winterbach sowie die Oberschwäbischen Posaunentage auf der Bodensee-Fähre Euregia zählten zu den Höhepunkten ihrer Arbeit. „Wir sind dankbar, dass Sie diese so lange begleitet haben“, sagte Langsam. Der oder die Nachfolgerin soll am 25. November gewählt werden.
Nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin von Meckenbeuren nahm Elisabeth Kugel zum letzten Mal als Delegierte an der Synode teil. Das bedauerte Dekan Langsam einerseits, andererseits sei er auch ein wenig stolz, dass jemand aus „unseren Reihen“ Bürgermeisterin geworden ist. Als Nachfolgerin wurde Susanne Schaub, Kirchenpflegerin in Kressbronn gewählt.
Ebenfalls verabschiedet wurde Lektor Hans-Jürgen Freiberg aus Isny, der 29 Jahre verlässlich Predigtdienst im Kirchenbezirk übernommen hatte. Codekan Gottfried Claß dankte ihm herzlich für seine langjährige Treue.