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Vertretungsdienste in Gottesdiensten übernehmen in der evangelischen Kirche die Prädikanten. Bei der Andacht zur Bezirkssynode wurde Astrid Greshake aus Bad Wurzach (Dritte von rechts) von Co-Dekan Dr. Gottfried Claß (Zweiter von rechts) ins Amt eingesetzt. Die Amtszeit von Christine Silla-Kiefer (rechts), ebenfalls aus Bad Wurzach, wurde um ein Jahr verlängert und Rüdiger Blumenthal aus Leutkirch (zweiter von links), mit der öffentlichen Sakramentsausteilung beauftragt. Verabschiedet wurden nach vielen Jahren treuen Dienstes Dr. Hans Schaude aus Bad Waldsee (fehlt im Bild), Volker Lenz aus Kressbronn (links) und Elisabeth Hofmann aus Wangen im Allgäu (vorne).

Bezirkssynode verabschiedet Stellenstreichungen

Die Bezirkssynode des evangelischen Kirchenbezirks Ravensburg hat der Streichung von rein rechnerisch drei ganzen und einer Dreiviertel-Pfarrstellen im Bezirk zum Jahr 2024 zugestimmt. Die Prozente verteilen sich auf den ganzen Bezirk. Die Pfarrplansonderkommission hatte sich in einem rund einjährigen, schwierigen Prozess unter Beteiligung der Kirchengemeinden auf dieses Ergebnis geeinigt, das nun der Synode vorgelegt wurde.

Dekan Dr. Friedrich Langsam dankte den Kirchengemeinden, „die sich in einem umfangreichen Beteiligungsprozess“ eingebracht hatten, nachdem die Bezirkssynode im Herbst 2016 und Frühjahr 2017 die entsprechenden Beschlüsse herbeigeführt hatte. „In sieben langen und oft überlangen Sitzungen wurde der Pfarrplan 2024 erarbeitet. Die Protokolle waren für jedermann einsehbar auf der Homepage des Kirchenbezirks eingestellt, sodass in einem möglichst transparenten Prozess gearbeitet werden konnte“, wie Langsam sagte. Er verschwieg auch nicht, dass die schmerzhaften Überlegungen oft von Wut und Trauer begleitet waren.

„Es sind nicht nur einige Gemeinden im Kirchenbezirk betroffen“, sagte Langsam. „Alle müssen die Streichungen kooperativ mittragen.“ Er verwies auf unterstützende Maßnahmen der Landeskirche, die für ganz Württemberg 30 Diakone mit Dienstumfängen von 25 bis 50 Prozent bis 2024 bereitstellen werde, die jeweils auf eine Zeit von drei bis fünf Jahren die Strukturen um die Pfarrämter herum stärken und die Pfarrer und Pfarrerinnen entlasten sollen. Der Kirchenbezirk will bei der Landeskirche solche Anträge der Gemeinden. „Niemand wird alleingelassen in diesem Prozess“, sagte Langsam. Zudem ist im Kirchenbezirk ein Prozess angelaufen, der für die Pfarrämter nach Entlastung bei Verwaltungsaufgaben sucht.

Im Distrikt Allgäu entfällt in Leutkirch die Pfarrstelle Nord. Die Pfarrstellen Aitrach und Kißlegg bleiben komplett erhalten, müssen aber in Leutkirch 50 bzw. 25 Prozent ihres Dienstes versehen. Damit dieses Experiment auf einer Fläche von über 300 Quadratkilometern gelingen kann, will der Kirchenbezirk einen Antrag auf einen Diakon bzw. Diakonin unterstützen. <s> </s>

Der Distrikt Seeregion verliert in der Summe 150 Prozent, wobei Friedrichshafen ganz auf die Pfarrstelle der Paul-Gerhardt-Gemeinde verzichten muss. Der Dienst wird ab 2024 von den übrigen Friedrichshafener Pfarrämtern mit versehen. Eine Art Verschiebebahnhof bilden die Stellen Langenargen, Eriskirch, Tettnang II, Oberteuringen und Ailingen. Gestrichen wird die halbe Stelle in Eriskirch. Diese Kirchengemeinde wird dann von Langenargen und Tettnang II mitversorgt. Tettnang II erhält dafür ein Plus von 25 Prozent. Oberteuringen hingegen verliert 25 Prozent und Ailingen, das komplett bleibt, muss Aufgaben in Oberteuringen übernehmen.

Der Distrikt Schussental büßt insgesamt 125 Prozent ein, was auch dort eine Umverteilung von Aufgaben mit sich bringt. So fallen die 25 Prozent Altenheimseelsorge in der Weststadt, bislang von Bavendorf versehen, zurück an Ravensburg.  Diese Aufgabe muss dann von Ravensburger  Pfarrern oder Pfarrerinnen miterledigt werden. Ravensburg-Eschach verliert 25 Prozent und soll dafür in gleichem Umfang künftig das Jugendpfarramt übernehmen.  Die Kirchengemeinden Vogt und Atzenweiler werden zu einer Gemeinde zusammenrücken: Vogt bekommt ein Plus von 25 Prozent, so dass diese Stelle eine ganze ist, während Atzenweiler um 50 Prozent auf eine halbe Stelle reduziert wird. Eine gemeinsame Pfarrstelle wird es ab 2024 in Wälde-Winterbach und Bavendorf geben. Beide Gemeinden verlieren jeweils 25 Prozent, so dass sie zusammen von einer ganzen Stelle aus versorgt werden.

Zur Schwierigkeit dieses Prozesses sagte Schuldekan Frank Eberhardt: „Es gibt keine mathematische Gerechtigkeit.“ Und das Ende der Fahnenstange wird 2024 noch nicht erreicht sein. Denn bereits heute ist klar, dass bis 2030 weitere Stellen gekürzt oder gestrichen werden müssen. Welche, das wird noch zu beraten sein.

Die Pfarrpläne sind Teil eines von der Evangelischen Landeskirche Württemberg vorgegebenen Streichkonzerts. Grund dafür ist neben dem Rückgang der Gemeindegliederzahl vor allem die Demografie der Pfarrerschaft. Sie umschrieb Schuldekan Frank Eberhardt für die Schulen so: „Im Schuljahr 2018/19 werden wir im Bezirk noch sieben Pfarrer unter 55 Jahren haben.“ Ohne Reduzierung blieben künftig viele vor allem ländliche Kirchengemeinden dauerhaft unbesetzt.

Prälatin Gabriele Wulz aus Ulm ermutigte die Synodalen, nicht nur die Nachteile des Pfarrplans zu sehen. „Wir denken den Pfarrdienst neu“, sagte sie. Wenn nun gerade auch in ländlichen Kirchengemeinden Teamarbeit zur Normalität werde, könnte es möglicherweise auch wieder einfacher sein, junge Pfarrerinnen und Pfarrer für die Arbeit auf dem Land zu begeistern.  Im Übrigen gelte es, Ballast abzuwerfen und „kritische Inventur bei den Aufgaben zu machen“.

Weitere Beschlüsse

Die Landeskirche wird den Kirchengemeinden pro Gemeindeglied

7,30 Euro 2018 und 2021 zukommen lassen, um Aufgaben im Zusammenhang mit dem neuen Pfarrplan zu schultern. Die Bezirkssynode stimmte zu, dass die Kirchengemeinden dem Bezirk ihre Gelder zur Verfügung stellen, um damit strukturelle Entlastungsmaßnahmen zu finanzieren.

Zudem gehört künftig ein Vertreter der selbständigen diakonischen Einrichtungen im Kirchenbezirk der Bezirkssynode an.

Nachdem die Zuweisungen für die Kitas in den vergangenen Jahren nicht erhöht worden waren, wird die Gruppenpauschale nun von 10 000 Euro auf 12 500 Euro angehoben und ab 2019 entsprechend der Kirchensteuerzuweisung dynamisiert.