Das Geld wird knapper

Diplom-Sozialarbeiterin Monika Bettinger vom Betreuungsverein St. Martin Ravensburg erläuterte den Synodalen die Bedeutung von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Auf dem Podium: Bezirksrechnerin Bärbel Hartmann, Dekan Dr. Friedrich Langsam, Vorsitzender Wolfgang Friedrich, Codekan Ulrich Lange und Protokollant Pfarrer Siegfried Kastler.
Evangelischer Kirchenbezirk Ravensburg verabschiedet bei der Herbstsynode die Jahresrechnung 2010 und den Haushalt für 2012
Um die Jahresrechnung 2010 auszugleichen, hat der Evangelische Kirchenbezirk Ravensburg erstmals die Personalkostenrücklage angreifen müssen und 61 996 Euro entnehmen. „Das Ergebnis ist schlecht, aber nur halb so schlecht, wie eingeplant“, kommentierte der 1. Vorsitzende Wolfgang Friedrich diese Bilanz, die Kirchenbezirksrechnerin Bärbel Hartmann bei der Herbstsynode am Samstag im Friedrichshafener Gemeindehaus in der Scheffelstraße den Delegierten vorlegte. Tatsächlich war man bei der Haushaltsplanung für 2010 von einem Fehlbetrag von 124 100 Euro ausgegangen, doch durch konsequentes Sparen und Zinsmehreinnahmen konnte der erwartete Fehlbetrag fast halbiert werden. Dennoch stehen dem Bezirk und seinen Einrichtungen und damit auch den Kirchengemeinden weitere Sparrunden ins Haus,
denn im Haushalt 2012 mit
Sonderhaushalt Diakonisches Werk gibt es eine Finanzierungslücke von rund 102 600 Euro – daran ändert auch die in Aussicht gestellte Steigerung der Kirchensteuerzuweisung im nächsten Jahr nichts. Wenn die Landessynode die Vorschläge des Oberkirchenrats absegnet, wovon Finanzfachfrau Hartmann ausgeht, dann wird Stuttgart 2012 an den Kirchenbezirk Ravensburg 4,63 Prozent mehr an Kirchensteuern überweisen. In die Kasse kommen also rund 5 105 000 Euro, das sind 226 000 Euro mehr als 2011. Davon werden an die Gemeinden im nächsten Jahr 5 005 900 Euro weitergeleitet.
Ermittelt wird die Zuteilung unter anderem aufgrund der Gemeindemitglieder. Ihre Zahl ist im Kirchenbezirk Ravensburg um 262 auf 61 557 zurückgegangen, was mit rund 0,3 Prozent immerhin deutlich unter dem landeskirchlichen Durchschnitt von 1,3 Prozent liegt. Die Gemeinden wiederum überweisen an den Kirchenbezirk entsprechend ihrer Mitgliederzahl die Bezirksumlage. Da der Kirchenbezirk durch den Rückgang seiner Mitglieder merklich weniger Geld bekäme, wurde bei der Sitzung eine Anhebung der Bezirksumlage um 4,5 Prozent auf 18,62 Euro beschlossen. Damit kann Bezirksrechnerin Hartmann mit 1 146 100 Euro wirtschaften, das sind 44 600 Euro mehr als 2011. Mit diesem Geld werden Bezirkseinrichtungen wie das Diakonische Werk oder das Jugendwerk finanziert.
Trotz der Erhöhung der Umlage besteht aber die Finanzierungslücke von rund 102 000 Euro. Deshalb werden die Zuweisungen an das Diakonische Werk um 40 000 Euro gekürzt. Die noch fehlenden Mittel von rund 62 600 Euro müssen dann wieder aus der Personalkostenrücklage entnommen werden. Zwar bemühte sich die Bezirksrechnerin, kein rabenschwarzes Szenario für die Zukunft zu entwerfen. Aber die demografische Entwicklung, die Kirchenaustritte und die Wirtschaftskrise hinterlassen Spuren. So hat zum Beispiel der Bodenseekreis für 2012 drastische Sparmaßnahmen angekündigt und der Diakonie im Bodenseekreis stehen 20 000 Euro Einsparung ins Haus.
Überall wird gekürzt, auch bei den Pfarrstellen. Aber da konnte Dekan Dr. Friedrich Langsam die Gemüter etwas beruhigen. Zwar hat die Landessynode noch nicht getagt, aber für den Kirchenbezirk Ravensburg stehen allenfalls ein bis zwei Pfarrstellen auf der Streichliste, schließlich hat er auch nur einen sehr moderaten Mitgliederverlust zu verzeichnen. Und zwei neue Prädikanten konnte Codekan Ulrich Lange während der Andacht zu Beginn der Synode in ihren Dienst einsetzen: Matthias Moser von der Kirchengemeinde Bad Waldsee und Matthias Pfizenmaier von der Stadtkirche Ravensburg werden in Zukunft das Team der 24 ehrenamtlichen Prediger des Bezirks verstärken, die im Jahr rund 300 Gottesdienste halten.
Und da sich Kirche nicht nur um ihre Finanzen kümmert, war Monika Bettinger vom Betreuungsverein St. Martin als Referentin geladen. Sie informierte die Synodalen über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, ein Thema, das auch im aktuellen „Info-Blättle“ des Bezirks beleuchtet wird. Dass die Klärung der Betreuung im Falle von Krankheit oder Alter jeden betrifft, machte sie in ihrem Kurzreferat sehr deutlich. Sie empfiehlt jedem dringend, bereits in gesunden Tagen eine Vorsorgevollmacht zu erteilen, weil Angehörige nicht mehr automatisch vertretungsberechtigt sind. Eine Gesetzeslage, die längst nicht jedem bewusst ist.
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