Direktpartnerschaft tut unserer Kirche gut

Delegation des Kirchenbezirks in Kamerun 2009

Delegation des Kirchenbezirks in Kamerun 2009

Seit 1999 pflegt der Kirchenbezirk Ravensburg eine Direktpartnerschaften zum Kirchenbezirk Fako South der Presbyterianischen Kirche in Kamerun.
Wir tun dies, weil wir Menschen in Übersee von Angesicht zu Angesicht „auf Augenhöhe“ begegnen wollen.
Partnerschaft bedeutet, interkulturell voneinander zu lernen. Dies geschieht vor allem durch regelmäßige gegenseitige Besuche. Jeder der Partner kommt von einer Reise nach Kamerun oder nach Deutschland verändert zurück. Wir z.B. gewinnen einen neuen Blick im Bezug auf Spiritualität, Menschenrechte, Aids und Geschlechtergerechtigkeit.
Partnerschaft bedeutet, ökumenisch Lebens- und Glaubenserfahrungen zu teilen.
Das gemeinsame Essen einheimischer Speisen ist ebenso wichtig wie die gemeinsame gottesdienstliche Feier, das Beten und das Teilen der Bibel.
Partnerschaft bedeutet Freundschaft, die weit über das Persönliche hinausgeht und Auswirkungen hat. Die Erfahrungen fließen auf verschiedenen Ebenen des Kirchenbezirks ein: in der regelmäßigen Arbeit des Kamerunausschusses, bei den Berichten vor der Bezirkssynode und in den Pfarrerdienstbesprechungen, beim Kameruntag des Kirchenbezirks und beim Kamerunsonntag am jeweiligen 2. Advent. Die individuellen und interkulturellen Lernerfahrungen derjenigen, die in den Partnerkirchenbezirk reisen oder aktiv im Kamerunausschuss mitarbeiten haben Auswirkungen auf die Gemeinden unseres Kirchenbezirkes.


Lernort Ökumene

Fazit: Unsere ökumenische Direktpartnerschaft ist eine wichtige Aufgabe in und für unsere Kirchen in Deutschland und in Kamerun. Die Partnerschaft ist nicht Luxus, den wir uns in den gegenwärtigen Zeiten geringer werdender Ressourcen nicht mehr leisten könnten, sie ist vielmehr ein unverzichtbarer Lernort der Ökumene in unserer „einen Welt“. Sie gibt der Ökumene überhaupt erst ein Gesicht.
 
Pfarrer Hannes Bauer






Unsere Reise nach Kamerun


 
Eine achtköpfige Delegation unter Leitung von Pfr. Hannes Bauer, Bonhoeffergemeinde Friedrichshafen, landete am 17. November 2009 nach einem Flug über die Sahara nachts um 21.00 Uhr im schwülheißen Douala. Gastgeber aus der Gemeinde quartierten uns in Limbe bei ihren Familien ein. Das  Partnerschaftskomitee lud uns zum ersten Treffen ein. Die dort übliche steife protokollarische Förmlichkeit bei der Vorstellung aller Beteiligten verlangte eine gewisse Umstellung von uns. Wir mussten uns daran gewöhnen bei täglichen offiziellen Besuchen, z.B. beim Senior Division Officer (Landrat), dem Government Delegate Limbe City Council (Oberbürgermeister) und dem Mayor Limbe I (Bürgermeister Limbe I) und bei sämtlichen Begrüßungsreden in den Städten, Schulen und Kirchengemeinden, die uns empfingen. Herausragend war die Visite bei der Presbyterian Girls Secondary School in Limbe. Der Kirchenbezirk Ravensburg unterstützte zehn Jahre lang den Aufbau dieses Mädcheninternats von Klasse 7 bis zum Abitur mit 800 Schülerinnen zwischen 12 und 21 Jahren. Die Aufbauphase ist nun abgeschlossen. Vier weitere Grund- und Vorschulen fanden wir in äußerst renovierungsbedürftigem Zustand als mögliche künftige Projekte vor.
Wir feierten mit beim dreistündigen Eröffnungsgottesdienst der Landessynode in Kumba unter 3000 Teilnehmern. Der Moderator (Bischof) der Kirche nahm sich am Rand der Synode Zeit für eine Begegnung zur Bestärkung der Partnerschaft. Wir begegneten Frauen-, Männer- und Jugendkreisen der Gemeinden mit jeweils hundert und mehr aktiven Mitgliedern. Beim Kirchenbezirksfrauentag kamen 5000 Frauen aus den Frauenkreisen zusammen. Der Partnerkirchenbezirk präsentierte seine laufenden Kirchenbaustellen, weil die wachsenden Gemeinden größere Gebäude benötigen. Jüngere und ältere Gemeindeglieder führten während einer Bibelstunde eine spannende Diskussion über die Verwendung der örtlichen Grundnahrungsmittel beim Abendmahl. Im presbyterianischen Gesundheitszentrum Limbe berichtete der leitende Arzt über den Kampf gegen Malaria und HIV. Es ist alarmierend, dass von allen Männern und Frauen, die sich dort auf HIV untersuchen lassen, 18 Proeznt HIV-infiziert sind. Wir besuchten presbyterianische Kirchenbetriebe: die Druckerei, den kirchlichen Verlag mit angeschlossenem Schreibwarenladen, den kirchlichen Radiosender, die Schreinerei und den Laden mit kunsthandwerklichen Waren.  Viele Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt auf den riesigen Plantagen der Umgebung in der Produktion von Kautschuk, Bananen und Palmöl. Selbst ohne schwere körperliche Arbeit treiben die tropischen Temperaturen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang den Schweiß in Strömen aus den Poren. Am Donnerstag, 3.Dezember 2009, kehrte unsere Delegation zu guter Letzt ins eingeschneite Oberland zurück.
Harald Kuhnle, Pfarrer der Erlösergemeinde Friedrichshafen


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