"Er wird uns fehlen"
Auf dem Altar brannte auch die Kerze mit dem Osterlicht für die Familie von Codekan Ulrich Lange.
Ein Leben ist vor der Zeit zu Ende gegangen, obwohl alles noch auf die Fortsetzung einer hoffnungsvollen Karriere angelegt war. Dieser Gedanke hat wohl viele beschäftigt, als sie vom unerwarteten Tod von Codekan Ulrich Lange an Ostern überrascht wurden. Auch Dekan Dr. Friedrich Langsam begann seine Predigt bei der Trauerfeier in der Schlosskirche am Freitag, 13. April, mit dieser Überlegung. In dem überfüllten Gotteshaus hatten sich rund 700 Trauergäste versammelt, um sich von dem beliebten Gemeindepfarrer, einfühlsamen Seelsorger, umsichtigen Sachwalter, streitbaren Christen und vielseitig vernehmbaren Bürger Friedrichshafens zu verabschieden. Viele hatten bei der eineinhalbstündigen, sehr würdevollen Feier keinen Sitzplatz mehr bekommen. Aber sie harrten aus, um dem im 52. Lebensjahr Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.
„Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“. Dekan Langsam zitierte den Trauspruch, den sich Ulrich Lange und Dr. Erdmuthe Döffinger-Lange vor 21 Jahren für ihre Ehe ausgesucht hatten und der auch über der Traueranzeige stand. Und diese Dankbarkeit sei Zeit seines Lebens für den Theologen, Ehemann und Vater der beiden Söhne Richard, 15, und Heinrich, 13, bestimmend gewesen. „Er konnte sich so herzlich freuen. Er war ein Charismatiker der Freude“, sagte Langsam über den klugen und begabten Kirchenmann, dessen Leben vielleicht nach menschlichem Ermessen zu kurz, aber auf jeden Fall intensiv und tief gewesen sei. Als ein Zeichen der Hoffnung wertete Langsam sein Sterben am Ostersonntag in die Auferstehung des Herrn hinein. „Er wird uns fehlen. Doch ganz in seinem Sinne werden wir nicht nur um ihn trauern, sondern auch dankbar sein, dass wir ihn hatten“, schloss der Dekan seine Trauerpredigt.
Am Sonntag Laetare, 16. März, hatte sich Ulrich Lange von seiner Gemeinde verabschiedet. Er wusste, dass eine komplizierte Herzoperation bevorstand. Schon seit Ende der 70er-Jahre litt er an einem Herzfehler. Als sein Leben trotz aller ärztlichen Kunst nicht mehr zu retten war, begleiteten ihn seine Frau und die Familie am Krankenbett bis zum Tod - getragen von Gebeten und Liedern. Für seine Trauerfeier hatte er jene Weisen ausgewählt, die ihm wichtig waren, unter anderem „In dir ist Freude“ und „Auf, auf mein Herz mit Freuden“. „Wenn ich sterbe, dann sollen sie gesungen werden – aber fröhlich“, das war sein letzter Wille, und Familie, Gemeinde, Kirchenchor sowie Organist Sönke Wittnebel erfüllten ihm diesen Wunsch.
Für die Landeskirche würdigte Prälatin Gabriele Wulz den Verstorbenen als einen Menschen, der mit Leidenschaft Theologe, mit Leib und Seele Pfarrer war, der mit großem Ethos seinen Beruf lebte und mit Klarheit, Charme und mitunter feiner Ironie argumentierte. „Er war ein von Herzen frommer Mensch“, sagte sie, und der Familie wünschte sie: „Der Herr lege einen hellen Schein in Eure Herzen.“
„Er war immer so präsent, so lebendig! Er hinterlässt eine große Lücke“, erklärte Oberbürgermeister Andreas Brand. Ulrich Lange habe als Brückenbauer und Moderator in alle Richtungen gewirkt. „Er war wirklich ein Mann der Kirche, nahm intensiv an allem teil, was in der Stadt geschah, und stand für Verlässlichkeit und Engagement der evangelischen Kirche.“ Wir verneigen uns vor einem großen Menschen“, schloss er seine Rede.
„Ulrich Lange bleibt bei uns. Er ist in unserem Gott. Und wenn Gott bei uns ist, dann ist er auch bei uns. Er war wirklich ein Mann der Kirche“, sagte der katholische Geistliche Bernd Herbinger in ökumenischer Verbundenheit mit seinem verstorbenen Kollegen.
Während sich nach der Trauerfeier die Gemeinde zum Friedhof aufmachte, läuteten alle Kirchenglocken der Stadt zum Geleit.
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