Neuer Diakonie-Geschäftsführer in Amt und Würden

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Aufmerksame Zuhörer: Dekan Dr. Langsam (rechts) und Diakonie-Geschäftsführer Ralf Brennecke.

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Oberbürgermeister Daniel Rapp.

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Für die Zieglerschen überbrachte Ursula Belli-Schillinger die besten Grüße zum Start im neuen Amt.

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Diana Rädler, Leiterin des Dezernats Soziales und Arbeit im Landkreis Ravensburg und Andrea Holm, ehemalige Diakonie-Geschäftsführerin.

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Ewald Kohler, Regionalleiter der Caritas Bodensee-Oberschwaben, bei seinem Grußwort.

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Ralf Brennecke und die Dienststellenleiter der Diakonie, Gerd Gunßer, Martina Blattner, Katarzyna Herter und Jürgen Schuler.

In seiner Ansprache betonte Dekan Langsam: „Diakonie ist nicht das, was Kirche auch noch macht – Diakonie ist das, was Kirche ausmacht“. Es gelte, das zu erkennen, was Menschen brauchen. Deshalb sei es wichtig, genau hinzuhören, hinzusehen, wahrzunehmen, was die Menschen bedrückt. Es sei ein Dienst an den Menschen um Gottes Willen, den der neue Geschäftsführer übernehme. Langsam zählte das sehr umfangreiche Aufgabengebiet der Diakonie auf – von der Beratung für Ehepaare, Schwangere, Eltern bis zu Suchterkrankten. Auch die Verwaltung und Betreuung der Kindergärten und schließlich die Vesperkirche gehören in Zukunft zum Aufgabengebiet des neuen Geschäftsführers.

In seiner persönlichen Vorstellung erklärte Brennecke, Vater zweier Kinder im Alter von 13 und 15 Jahren, er habe stets großes Interesse an den Menschen, und versicherte, wie wichtig ihm das Zuhören sei. Gleichzeitig betonte er die große Bedeutung der Zusammenarbeit von Kirche mit Kommune und Landkreis.

Als Zeugen waren gekommen: Dr. Daniel Klaissle aus Kempten, der mit Brennecke bereits im Jugendwerk zusammengearbeitet hatte, und Pfarrerin Andrea Holm, seine Vorvorgängerin in der Diakonie-Geschäftsführung.

Auf die Investitur folgte die Predigt, in der Brennecke u. a. darauf verwies, dass Diakonie als Betreiber von sozialen Einrichtungen nicht den Gewinn, sondern immer den Menschen im Blick haben müsse. Schließlich schloss er mit einem ihm sehr wichtigen Anliegen: „Keiner soll allein sein, der es nicht will!“

Nach einer Stärkung am fein aufgebauten kalten Büfett standen die Grußworte auf dem Programm. Unter der Moderation von Diakon Gerd Gunßer kamen jene Menschen ans Rednerpult, die in Zukunft wichtige Ansprechpartner für den Diakonie-Chef sein werden: Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp hob das gute Miteinander in Ravensburg hervor – auch unter den Konfessionen und Religionen. Diana Rädler, Leiterin des Dezernats Soziales und Arbeit des Landkreises Ravensburg, wünschte dem Neuen im Amt neben vielem anderen auch eine hohe Frustrationstoleranz.  Ursula Belli-Schillinger von der Geschäftsführung der Zieglerschen hob vor allem die Bedeutung und gute Zusammenarbeit im Erfolgsprojekt Vesperkirche hervor. Und  Ewald Kohler, Regionalleiter der Caritas Bodensee-Oberschwaben, verabredete mit Brennecke eine gemeinsame Tour durch die Region.

Zum Schluss luden die Dienststellenleiter der Diakonie ihren neuen Chef ein, beherzt mit ihnen an einem Strang zu ziehen.   

Philipp Jägle ist jetzt Jugendpfarrer des Kirchenbezirks Ravensburg

Im Rahmen des Pfarrplans 2024 – die Kirchengemeinden im Schussental müssen rund 125 Prozent Stellenanteile einsparen – wurde die Gemeindepfarrstelle in der Nordstadt um 25 Prozent reduziert. Das bedeutet, dass Jägle die Seelsorge in Seniorenheim und Seniorenkreis abgibt und diese jetzt zusätzlich vom Pfarramt Südstadt übernommen wird. So bekam Jägle Freiraum für das Jugendpfarramt des Bezirks. „Bereits mit sechs Jahren war ich zum ersten Mal in einem Zeltlager des Jugendwerks. Und diese ersten sehr positiven Erfahrungen sind vielleicht der Grund, dass ich heute hier stehe“, sagte der 40-jährige verheiratete Theologe und Vater zweier Söhne. Jedenfalls sei er der Jugendarbeit stets treu geblieben. Aufgewachsen ist Jägle in Bretten, sein Examen legte er in Heidelberg ab  und gehört deshalb der badischen Landeskirche an.

Landesjugendpfarrer Bernd Wildermuth, Stuttgart, der zur Amtseinführung nach Ravensburg gekommen war, verwies in seiner Ansprache auf die „Schwabenformel“, in der die besondere Stellung der Jugendarbeit in der Landeskirche zusammengefasst ist: selbstständig – im Auftrag der Landeskirche. Die Jugendarbeit brauche Freiraum und trage Früchte, zum Beispiel ablesbar an der sehr großen Zahl der Ehrenamtlichen. Wildermuth: „Nirgendwo wird in der Kirche das Priestertum aller Gläubigen so klar wie in der Jugendarbeit.“ Er wünschte Jägle ein gutes Auge, um wahrzunehmen, was geschieht, und ein gutes Ohr, um auch Zwischentöne herauszuhören.  

Jägle bedankte sich für das Vertrauen und zitierte in seiner Predigt die Worte Jesu aus dem Johannes-Evangelium: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen.“ Das bedeute, man brauche sich keine Sorgen zu machen, es gebe Platz für jeden. Auch beim Jugendwerk gebe es im übertragenen Sinne Räume, die man gestalten und wo man sich einbringen könne, zum Beispiel im Konficamp, im Ostergarten, in den Freizeiten. Und wer mitarbeite, werde die Erfahrung machen: „Mir wird etwas zugetraut, hier bin ich nicht nur Gast, sondern Mitbewohner“.

Beim Empfang nach dem Gottesdienst gab es noch einen regen Austausch.

 

 

Ein Haus für sieben Dienststellen

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Mit dem Neubau kann es losgehen. Den ersten Spatenstich haben gemacht (von links): Architekt Jürgen Winterkorn, Gabi Deuß, Fachbereichsleiterin Bau und Liegenschaften im evangelischen Verwaltungszentrum, Pfarrer Martin Henzler-Hermann, Dekan Friedrich Langsam, Erste Landesbeamtin Eva-Maria Meschenmoser, Kurt König, Vorsitzender der Bezirkssynode, sowie Erster Bürgermeister Simon Blümcke.

Es brauche neben guten Ideen und handwerklichem Geschick auch Gottes Segen, damit das Werk gelinge, sagte Dekan Langsam und dankte bei diesem Anlass noch einmal der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und der Stadtkirchengemeinde für ihr Entgegenkommen, das Grundstück für die Bebauung frei zu geben.

Nach Fertigstellung werden in dem neuen Haus sieben Dienststellen arbeiten – von der Verwaltung über die Diakonie bis zum Bildungswerk. Sie sind bislang in verschiedenen Häusern in Ravensburg und Weingarten untergebracht. „Es ist ein Haus, das den Menschen zugutekommt“, erklärte Langsam und erinnerte an die kurzen Wege, die später nicht nur den Besuchern, sondern auch den Mitarbeitenden von Nutzen seien.

Erste Landesbeamtin Eva-Maria Meschenmoser betonte, jetzt sehe man reifen, was lange geplant war. Der Neubau bedeute einen großen Schritt in Richtung Bürgernähe und Zusammenwirken der verschiedenen Dienststellen. In diesem Sinne wünschte sie ein zügiges Vorankommen des Bauvorhabens. Tatsächlich soll das Gebäude laut Architekt Jürgen Winterkorn vom Ravensburger Büro MLW im Herbst 2020 fertiggestellt sein. Während dieser Zeit werden 2000 Kubikmeter Erde bewegt, 60 000 Kilogramm Baustahl verbaut, 15 Kilometer Kabel verlegt und 150 Türen und Fenster eingesetzt. Mit diesen imponierenden Zahlen wartete der Projektleiter auf, der sich im Übrigen für die vertrauensvolle, konstruktive und zielgerichtete Zusammenarbeit mit der kirchlichen Verwaltung bedankte. Seine Hoffnung auf eine unfallfreie Bauzeit war dann für Dekan Langsam das Stichwort für das Gebet um Gottes Segen für die Arbeit.

Dann ging es an die Spaten – und danach zum deftigen Leberkäs-Essen.

Späte Ehre für die Glasmalerei Ludwig Mittermaiers

Dekan Dr. Friedrich Langsam, Professor Dr. Claus Wolf, Johann Mittermaier und August Schuler bei der Buchübergabe.

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Dekan Dr. Friedrich Langsam, Professor Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, Johann Mittermaier und Stadtrat und CDU-Landtagsabgeordnete August Schuler (von links).

Dunja Kielmann signiert die Dokumentation

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Dunja Kielmann signiert das vorgestellte Arbeitsheft 37 mit dem Titel „gemalt und ins glas geschmolzen“.

Susan Seyfert vom Landesdenkmalamt im Gespräch mit Johann Mittermaier (links) und Hermann Müller, Stadtarchivar und Theologe aus Lauingen.

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Susan Seyfert vom Landesamt für Denkmalpflege im Gespräch mit Johann Mittermaier und Stadtarchivar und Theologe Hermann Müller aus Lauingen (rechts).

„Ein feste Burg ist unser Gott“ – symbolkräftig schlug Andreas Praefcke zum Auftakt des Abends  am Klavier  das Lied von Martin Luther an, und Dekan Friedrich Langsam zitierte Goethes „Faust“: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Was man nicht nützt, ist eine schwere Last.“ Er machte damit deutlich, dass erst durch die professionelle Untersuchung klar wurde, welch wertvoller Schatz aus dem 19. Jahrhundert zu einem Teil die Südseite der Stadtkirche mit den Bildnissen der  Reformatoren ziert, zu einem anderen Teil aber rund 50 Jahre in Holzkisten im Keller geschlummert hatte. Dort waren die neugotischen Glasfenster von Chor, West- und Nordfassade nach der Kirchensanierung in den 1960er-Jahren nicht gerade fachgerecht eingelagert worden. Dank des Forschungsprojekts des Denkmalamtes, angestoßen durch die Vorbereitungen zum Reformationsjubiläum und finanziert vom Ministerium für Kultur und Medien der Bundesregierung und vom Land Baden-Württemberg, kann die Gemeinde ihr Mittermaier-Erbe als Ausdruck protestantischen Selbstverständnisses neu wahrnehmen. Ein schönes Beispiel für die gewachsene Wertschätzung: Durch einen großherzigen Erblasser ist sie jetzt in der Lage, den für die Sanierung der Reformatorenfenster von 1862 nötigen finanziellen Anteil zu den Mitteln von Bund und Land beizusteuern. Hermann Kastropp hat in seinem Testament die Kirchengemeinde entsprechend bedacht.

Der Stadtrat und CDU-Landtagsabgeordnete August Schuler berichtete in seinem Grußwort, er habe bereits als Schüler bewundernd vor den Glasfenstern gestanden. Leider konnte man nun am Abend des Festaktes die Ausdrucks- und Strahlkraft der Glasbilder nicht würdigen. Das geht nur bei Tageslicht. Aber Diplom-Restauratorin Dunja Kielmann schilderte in ihrem Vortrag mit zahlreichen anschaulichen Bildern, was da über zwei Jahre hinweg geleistet worden war: sorgfältige Sichtung, Katalogisierung, Sicherung, Dokumentation, schließlich musterhafte Sanierung des Brenz-Fensters – und das alles noch flankiert von einer Ausstellung und einem Kolloquium.

Mittermaier hatte damals den Auftrag angenommen, „… mit dem Versprechen, gewiß etwas tüchtiges zu liefern“. Mit diesem Zitat hatte auch Dunja Kielmann ihren Vortrag überschrieben, und wer ihr nun zuhörte und die Publikation mit den zahlreichen Fotos der Glasbilder und der Entwurfskartons sowie den wissenschaftlichen Ausführungen und begleitenden Aufsätze in Augenschein nahm, dem wurde klar: Auch dieses Team hat „etwas Tüchtiges“ geliefert. Ein Lohn der Arbeit steht bereits fest: Beim Landesamt für Denkmalpflege wurde durch die Erfahrungen in der Ravensburger Stadtkirche erstmals eine unbefristete Stelle für Glasmalerei-Restaurierung geschaffen. Und Dunja Kielmann wird sie bekleiden.

Dass die Glasmalerei in der Vergangenheit vom Landesdenkmalamt nicht immer die gebührende Wertschätzung erfahren hatte, räumte Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, selbstkritisch ein. Gleichzeitig bedankte er sich neben den vielen an dem interdisziplinären Projekt beteiligten Restauratoren, Historikern, Kunsthistorikern, Theologen und Naturwissenschaftlern vor allem auch bei der Familie Mittermaier. Sie hat das Erbe in Lauingen immer sorgfältig bewahrt, zeigte sich stets kooperativ und ist nun vor allem dankbar, dass das Werk ihres Vorfahren so umfassend gewürdigt wird.  

Dunja Kielmann, Susann Seyfert, Otto Wölbert: „gemalt und ins glas geschmolzen“. Bericht zur Erforschung der Glasmalerei von Ludwig Mittermaier. 288 Seiten. Paperback. 350 farbige Abbildungen. ISBN 978-3-7995-1304-3. 30 Euro. Thorbecke