Ein Erbe der Reformation: Gläubige haben die Wahl

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Philipp Jägle

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Bei der Kirchenwahl bewerben sich  in den Kirchenbezirken Ravensburg und Biberach sieben Kandidaten um einen Sitz in der Landessynode

Martin Luthers legendärer Anschlag der 95 Thesen zum Ablasshandel am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg markiert den Auftakt zur Reformation. Und als eine ihrer herausragenden Errungenschaften gilt in der evangelischen Kirche das „Priestertum aller Gläubigen“. Es ist die Basis für eine selbstbewusste Gemeinschaft, für Mitbestimmung und Mitwirkung in all ihren Gremien und Einrichtungen. In diesem Geist ruft die Landeskirche in Württemberg am 1. Dezember 2019 zur Wahl auf.

Unter dem Motto „Meine Kirche. Eine gute Wahl“ kandidieren Frauen und Männer sowohl für den Kirchengemeinderat vor Ort, als auch für die Landessynode, das Kirchenparlament in Stuttgart. Eine Besonderheit Württembergs ist dabei, dass das Kirchenvolk seine Vertreter in die gesetzgebende Versammlung der Kirchenleitung in Stuttgart direkt wählen kann. Während die KGR-Kandidaten den Gemeindemitgliedern oft bekannt sind, reisen die Synodalkandidaten des großen Wahlbezirks 26 der Dekanate Biberach und Friedrichshafen zu Vorstellungsabenden in Biberach, Ravensburg, Laupheim, Friedrichshafen, Wangen und Bad Saulgau, um sich darüber hinaus bekannt zu machen.

Dort stellen sich insgesamt vier Laien und drei Theologen gemäß ihrer kirchenpolitischen Orientierung für die einzelnen Gesprächskreise vor. Diese Kreise kann man folgendermaßen einordnen:

„Evangelium und Kirche“ bezeichnet sich selbst als die „Evangelische Mitte“. „Kirche für Morgen“ ist die jüngste Gruppierung und setzt sich zum Ziel, die Württembergische Landeskirche zu reformieren. „Lebendige Gemeinde“ ist eher konservativ, zum Teil auch pietistisch geprägt. „Offene Kirche“ sieht sich im linksliberalen Spektrum verortet.

Die Kandidaten und Kandidatinnen im Wahlkreis 26

Die Laienvertreter:

Simon Blümcke, 44, verheiratet, Erster Bürgermeister in Ravensburg, „Evangelium und Kirche“.

Anja Faißt, 30, verheiratet, Sozialarbeiterin in Friedrichshafen, „Kirche für morgen“.

Jutta Henrich, 64, verheiratet, Bibliothekarin in Laupheim, „Offene Kirche“.

Edeltraud Stetter, 62, Krankenschwester aus Balzheim, „Lebendige Gemeinde“.

Die Theologen:

Heiko Bräuning, 50, verheiratet, Pfarrer in Wilhelmsdorf, Musiker, Hörfunk und Fernsehjournalist, „Lebendige Gemeinde“.

Philipp Jägle, 40, verheiratet, Pfarrer in Ravensburg und Bezirksjugendpfarrer, „Evangelium und Kirche“.

Hellger Koepff, 65, verheiratet, Dekan in Biberach, „Offene Kirche“.

Jeder Wähler hat zwei Stimmen für die Laien und zwei Stimmen für die Theologen. Man kann jeweils zwei Kandidaten eine Stimme geben oder einem Kandidaten zwei Stimmen.

In den Wahlprogrammen geben die Kandidaten ausführlich darüber Auskunft, was für sie in der kirchenpolitischen Arbeit in der Synode besonders wichtig wäre. So ist es zum Beispiel ein Anliegen der Vertreter von „Evangelium und Kirche“, Philipp Jägle und Simon Blümcke, „Kirche als Volkskirche zu gestalten, die für Menschen da ist, die ihre Religiosität in unterschiedlichen Stilen und Intensitäten leben.“

Anja Faißt vom Gesprächskreis „Kirche für morgen“, erklärt zu ihrer Kandidatur: „Ich setze mich dafür ein, dass wir neue, alternative und ungewohnte Wege Kirche zu denken und zu leben ausprobieren und uns überraschen lassen welche Schönheiten wir dabei entdecken.“

Im Wahlprogramm von Heiko Bräuning und Edeltraud Stetter von der „Lebendigen Gemeinde“ heißt es zum Beispiel: „Kirche soll ein streitbarer Dialogpartner in Politik und Gesellschaft sein, wenn es um den Schutz für verfolgte Christen, Religionsfreiheit oder die Bewahrung der Schöpfung geht. Wir sehnen uns nach einem neuen Aufbruch der Kirche, der mutig auf Jesus und sein Wort vertraut.“

Dekan Hellger Koepff und Jutta Henrich wiederum wollen sich als Kandidaten der „Offenen Kirche“ unter anderem für eine Kirche einsetzen, „die aus dem unerschöpflichen Reichtum der Bibel lebt, die sich für die Stärkung der Demokratie und eine freiheitliche Gesellschaft einsetzt, und die im offen

An folgenden Terminen und Orten stellen sich die Kandidierenden für die Synode unter der Moderation von Brunhilde Raiser, EBO-Geschäftsführerin, jeweils um 19.30 Uhr vor:

en und kritischen Dialog mit Andersdenkenden und anderen Religionen den Frieden sucht und voranbringt.“



Vorstellungstermine

Donnerstag, 7.11. Biberach, Martin-Luther-Gemeindehaus, Waldseer Str. 18.

Freitag, 8.11., Ravensburg, Matthäusgemeindehaus, Weinbergstr. 12.

Donnerstag, 14.11., Laupheim, Ev. Gemeindehaus, Schillerstr. 9.

Freitag, 15.11., Friedrichshafen, Ev. Gemeindehaus, Scheffelstr. 15.

Dienstag, 19.11. Wangen, Ev. Gemeindehaus, Bahnhofplatz 6.

Donnerstag, 21.11., Bad Saulgau, Ev. Gemeindehaus, Gutenbergstr. 49.